Der Widder brilliert und hebt sich kulinarisch ab
Zürich ist um ein aussergewöhnliches Restaurantkonzept reicher. Der neue Stern am Gastro-Himmel heisst Widder Bar & Kitchen und bringt die Eigenart eines typischen New Yorker Soho Lofts ins Widder. Das verwinkelte Lokal beim Rennweg überrascht nicht nur durch effektvolle Äusserlichkeiten, sondern geht auch kulinarisch seinen eigenen Weg – mit einer nach Geschmacksprofilen aufgebauten Karte. Wir hatten Gelegenheit, schon einige Tage vor der Eröffnung zu einer kleinen Entdeckungstour durch das Lokal und die Karte aufzubrechen.
Weniger als ein Jahr hat der Umbau von Widder Bar und Widder Restaurant in Anspruch genommen. Jetzt wurde der Schleier gelüftet und ein völlig neues Gastronomiekonzept präsentiert. Das Resultat: Ein aussergewöhnliches Lokal auf verschiedenen Etagen, das Bar und Restaurant vereint und sich selbstbewusst eine eigene, starke Identität gibt – von der Architektur bis hin zur Karte. Und das steht dem neuen Stern am Zürcher Gastro-Himmel gut.
Im Erdgeschoss befindet sich die vielfach ausgezeichnete Bar, sie wurde nur leicht angetastet. Die augenfälligste Veränderung ist die fehlende Wand, die früher den Eingangsbereich von der Bar abgetrennt hat und jetzt für viel Luft und Leichtigkeit sorgt.
Völlig neu ist die darüber liegende Etage. Dort befindet sich eine offene Showküche mit einem Chef’s-Table und einer Essbar, wie man sie aus Sushi-Restaurants kennt. Hier schaut man der Küchenmannschaft über die Schultern und isst einen Happen dazu. Die Anordnung macht es einem einfach, auch mal alleine zu essen, ohne einen gähnend leeren Platz gegenüber zu haben der für andere zu viele Fragen aufwirft. Wer es gemütlicher haben möchte, der hat die Wahl zwischen zwei separaten Räumen, der eine auf der gleichen Etage, der andere auf einem Zwischenlevel.
Die Widder Bar & Kitchen ist von oben bis unten verwinkelt. Zusammen mit der relativ tiefliegenden Decke, die dem historischen Haus geschuldet ist, macht das den ganz besonderen Charme des Lokals aus. Die Architekten haben es mit einigen wenigen Tricks geschafft, eine latente Bedrücktheit in eine wohlige Leichtigkeit umzupolen.
Karte Widder Bar & Kitchen
Mit dem Essensangebot hat das Widder eine mutige Wahl getroffen. Statt auf Mainstream zu setzen, beschreitet die Küchencrew einen progressiven neuen Weg – mit Sharing-Plates und einer nach Geschmacksprofilen aufgebauten Karte. Die Idee dahinter: Statt sich für eine Speise zu entscheiden, wählt man ein Geschmacksprofil. Zum Beispiel Curry, Basilikum oder Trüffel.
Wer also besondere Lust auf Curry-Noten verspürt, der findet unter dem entsprechenden Absatz verschiedene Vorschläge, bis hin zum Dessert und der passenden Wein- und Cocktailbegleitung. Das gibt es natürlich nicht nur für Curry, sondern auch für Basilikum, Zitrone, Trüffel, Geräuchertes, Cilantro (Koriander), Pfeffer und Chili. Besonders spannend wird es dann bei den Desserts: Dort erwartet einen dann unter anderem ein Rahmglacé mit pinkem Pfeffer. Oder wie wär’s mit einem lauwarmen Schokoladenkuchen mit Koriandercrème.
Öffnungszeiten Widder Bar & Kitchen
Montag bis Sonntag.
Harrys Tipp
Der Widder hat mit Widder Bar & Kitchen ein aussergewöhnlich innovatives Gastrokonzept geschaffen über das man lange sprechen wird. In dem Lokal, das mal an ein New Yorker Soho Loft erinnert, mal an ein angesagtes Londoner Sushi-Restaurant, spürt man eine inspirierende gastronomische Aufbruchstimmung, die deutlich aus dem Zürcher Trott ausbricht. Die anspruchsvolle und erfinderische Küchenleistung füllt das Konzept mit handfesten kulinarischen Inhalten und löst das optische Versprechen auch auf dem Teller ein.
Bei unserem Besuch noch vor der offiziellen Eröffnung konnten wir uns frei durch die Karte probieren. Angefangen hat unser Abend mit einem wunderbar erfrischenden Doraden Ceviche mit Zitrone, Mango und Granatapfel, das nicht nur für den Gaumen sondern auch für das Auge ein Weide war. Danach waren drei Dim Sum in einer Bouillon an der Reihe. Die chinesischen Maultaschen waren aus hauchfeinem Teig gefertigt, geschmacklich perfekt abgeschmeckt und mit einem willkommenen “Crunch” in der Füllung versehen.
In einer unerwarteten Kombination kamen die Jumbo Crabs daher. Sie wurden zusammen mit einem Zwiebelconfi und Koriandermayonnaise in einem mit Puderzucker bestreutem Berliner serviert. Erwähnenswert war auch das Tunfischtatar, das mit Gurkenrogen dekoriert und mit einem erfrischenden Basilikum-Sorbet gekrönt war. Zu guter Schluss möchten wir unsere Begeisterung für das gewagte Stängeliglacé mit Honig und rosa Pfeffer noch zum Besten geben.
Adresse Widder Bar & Kitchen
Widder Bar & Kitchen
Widdergasse 6
8001 Zürich
Tel. +41 44 224 24 12
widderbarandkitchen.com
(Fotos: Carrie Meier-Ho)
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Der Harry treibt sich jetzt leider fast nur noch PR-mässig an Voreröffnungen rum… schade eigentlich.
Hallo Markus. Danke für deinen kritischen Kommentar. Das neue Widder Restaurant ist genau unser Ding. Deshalb schreiben wir darüber. Wenn uns das Konzept nicht gefallen würde, würde es bei uns nicht stattfinden. Das gilt übrigens für alles, was wir machen. Dass nicht immer alle gleicher Meinung sind, das ist übrigens auch ganz normal – muss ja nicht jedem gefallen. Viele Grüsse, Harry.
Wort… Ist mir auch aufgefallen. AK vom Züritipp machts vor.
Hallo Thomas und danke für deine wohlüberlegte Wortmeldung, die ich als positiven Diskussionsbeitrag sehe. Ich mag Leute mit einem klaren Kompass – so wie du. Was wäre deiner Ansicht nach der beste Zeitpunkt, um über Neueröffnungen zu schreiben? Oder vielleicht gar ganz weglassen? Freue mich über deinen Gedanken. Gruss, Harry.
Lieber Harry, das war überhaupt nicht böse gemeint, es ist mir einfach aufgefallen, dass Harry die Kritik etwas abhanden gekommen ist. Halt so Influencer-mässig. Und dass diese Tendenz in letzter Zeit nicht nur bei euch verstärkt zugenommen hat. Ich schreibe ja selber für Restaurants, allerdings rein PR-mässig, das ist dann aber auch klar so geregelt und gekennzeichnet. Und ich werde auch dafür bezahlt. Lange Rede, kurzer Sinn: Gastrokritiker ist wohl einer der schwersten Jobs der Medienbranche, einerseits mag man vielleicht die Gastgeber, nach einer gewissen Zeit kennen sie dich sogar und offerieren mal das eine oder andere Glas. Alles vollkommen legitim. Und man möchte ihnen danach ja auch nicht mit einer schlechten Kritik ihren Effort vermiesen. Oder gar ihre Existenz. Dennoch vermisse ich Leute wie Böniger, die immer neutral geschrieben haben. Aber damals gabs das Wort “Influencer” und auch das Wort “Goodies” noch nicht. Obwohl: In den 1980ern war alles noch viel arger. Aber es könnte schlimmer sein: In New Yorker Küchen hängen zb. die Fotos von Gastrokritikern wie Adam Platt, etc., die nach einer eher negativeren Kritik höflich aus dem Hause gewiesen werden. Aber das weisst du ja. Ganz liebe höfliche Grüsse, Thomas
Schade, dass man bei den Voreröffnungen nichts über Preis-/Leistung erfährt. Das schätze ich immer an euren sonstigen Besuchen. Ich denke ihr müsst da einfach nochmal hin und auch die Preise ‘testen’!
Waren gerade im Widder Bar & Kitchen – leider sehr schlechter Eindruck: super winzige Portionen zum Preis eines regulären Gangs, wir hätten 8 Dishes bestellen sollen gemäss Bedienung. Brot gab es keines, auch auf Nachfrage nicht… Konzept stimmt für mich nicht, sorry