Foodfestival auf Michelin-Niveau
Heute gibt’s einen Veranstaltungshinweis in Form eines Rückblicks: Ein mal im Jahr findet in Zürich die wohl herausragendste kulinarische Veranstaltung der Schweiz statt: The Epicure – Days of Culinary Masterpieces. Auf Einladung von Dolders Küchenchef Heiko Nieder pilgern an fünf Tagen im September einige der bemerkenswertesten europäischen Köche in das Märchenschloss am Zürichberg. Für Kulinarikliebhaber ist das eine rare Gelegenheit, international angesehene Kochprominenz vor der eigenen Haustüre erleben zu können.
Die fünf aussergewöhnlichen Septembertage im Dolder Grand mit der geballten Ladung von 28 Michelin-Sterne sind Geschichte: Wäre The Epicure ein einmaliger Anlass, würde es wenig Sinn machen darüber zu schreiben. Denn wer will schon den Speck durch den Mund gezogen bekommen in der Gewissheit, nie reinbeissen zu können. Weil das kulinarische Spitzenfoodfestival aber auch nächsten September wieder stattfinden soll, kann ein kurzer Rückblick durchaus auch als Veranstaltungshinweis für nächstes Jahr gelten.
The Evenings
Wer sich schon von Heiko Nieder im The Restaurant im Dolder Grand hat verwöhnen lassen weiss, dass zwei Michelin-Sterne bereits allergrösste kulinarische Kunstfertigkeit bedeuten. Für die Epicure-Besucher schaltet der Meister der Aromen aber noch einen Gang höher und übertrifft sich im wahrsten Sinne des Wortes selbst – in dem er vier 3-Sterne-Gastköche zu sich einlädt. An vier Abenden steht er mit je einem davon in der Küche und serviert ein 8-Gang-Menü, bei dem viele nicht mehr aus dem Staunen raus kommen dürften. Oder wer wurde an einem einzigen Abend schon von fünf Sternen bekocht?
Dieses Jahr hat sich Nieder einen Deutschen (Klaus Erfort, Gästehaus Klaus Erfort in Saarbrücken), einen Franzosen (Christian Le Squer, Restaurant Le Cinq in Paris), einen Holländer (Jacob Jan Boerma, Restaurant De Leest in Vaassen) und einen Italiener (Niko Romito, Casadonna in Castel di Sangro) in die Küche geholt.
Preis The Evenings
Wer an einem der vier Abenden dabei sein wollte, der musste 598 Franken dafür auslegen. Für diesen doch stolzen Preis gab es aber nicht nur ein gastronomisches Spitzenmenü, sondern auch die passende Weinbegleitung dazu.
The Final
Der ultimative Epicure-Höhepunkt war aber auch dieses Mal wieder das grosse kulinarische Schlussbouquet am Sonntag. Schauplatz: die Gallery des Dolder Grands. An diesem Tag verwandelt sich The Epicure in eine Art Edel-Foodfestival der Topklasse mit Michelin-gekrönten Live-Kochstationen, Jazzband, Cigarlounge, Weinständen, Flying Buffet und frei fliessendem Champagner 2006 La Grande Dame von Veuve Clicquot.
Die Protagonisten des Tages waren acht weltweit beachtete Spitzenköche, die zusammen insgesamt 21 Michelin-Sterne auf sich vereinigen. Sie boten an acht verschiedenen Live-Kochstationen einen Einblick in ihr kulinarisches Schaffen in Form eines sorgfältig kreierten Gerichts. Einzige Frau unter der Michelin-Elite war die sympathische Tanja Grandits aus dem Restaurant Stucki in Basel (letztes Jahr hatte diese Rolle die nicht minder sympathische Griechin Georgianna Hiliadaki inne, die uns mit einem Bottarga begeisterte).
Sat Bains kulinarische Täuschung
Und so steuerte man eine Live-Kochstation nach der anderen an und kam jedes Mal in den Genuss einer ausgezeichneten Kreation. Und manchmal war sie sogar richtig ausserordentlich – wie zum Beispiel bei Sat Bains vom gleichnamigen Restaurant in Nottingham (UK). Der überraschte uns mit einer völlig unscheinbar wirkenden Geflügelleber, der man auf den ersten Blick kein besonderes Potenzial zutraut – er versteckt sie nämlich unter einer Schicht Granola und nennt das Gericht deswegen auch Chicken Müsli. Dabei spielt er mit Texturen und Temperaturen und narrt mit der dekorationsfreien Kreation das Auge wodurch er die Erwartungen ganz tief legt.
Weitere Stationen waren jene des Holländers Jacob Jan Boerma (Restaurant de Leest und einziger Chef mit drei Michelin-Sternen), des Schweden Björn Frantzen aus Stockholm (Restaurant Frantzén), des Deutschen Peter Hagen-Wiest aus Rust (Ammolite – The Lighthouse Restaurant), der beiden Spanier Fernando Arellano (Restaurant Zaranda, Mallorca) und Paco Peréz (Restaurant Miramar, Llançà), des Deutschen Michael Kempf aus Berlin (Facil at the Mandala Hotel) und dem einzigen Nicht-Michelin-Chef dafür mit 19 Gault & Millau Punkten ausgzeichnetem Simon Taxacher aus Kirchberg In Österreich (Restaurant Simon Taxacher).
Preis The Final
Auf den ersten Blick mögen 398 Franken teuer erscheinen. Das relativiert sich aber schnell. Denn wo sonst gibt es für diesen Preis kulinarische Spitzenkreationen, besten Wein und grössten Champagner kombiniert mit quirliger Foodfestival-Stimmung auf Edelniveau. Mal ganz abgesehen davon, dass ein kulinarischer Event mit 21 Michelin Sternen beinahe unbezahlbar ist. Übrigens: Das scheinen viele Kulinarikbegeisterte auch so zu sehen. So lässt es sich nämlich erklären, dass die 300 Plätze für die Veranstaltung schon wenige Tage nach Verkaufsstart völlig ausverkauft sind.
Daten The Epicure 2018
Wer also nächstes Jahr dabei sein möchte, der kann sich schon mal den Zeitraum vom Mittwoch, 12. bis zum Sonntag, 16. September 2018 in der Agenda anzeichnen – und die Webseite von The Epicure für Tickets im Auge behalten.
(Fotos: Carrie Meier-Ho)



















